Deutschland ist im Ausland beliebt. Dass das so ist, hat die Bundesrepublik nicht nur den diplomatischen Beziehungen oder wirtschaftlichen Verbindungen zu anderen Staaten zu verdanken, sondern auch einem ganz bestimmten Aspekt der Außenpolitik – der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Neben der Diplomatie und der Ökonomie ist sie es, die das positive Deutschlandbild in die Welt trägt.

Ein Land ist kein Unternehmen. Die  Pflege des eigenen Ansehens in der Welt ist daher auch nicht mit Public Relations eines Unternehmens vergleichbar. Dennoch versuchen natürlich auch Staaten auf ihre Art und Weise, Werbung in eigener Sache zu machen, positive Assoziationen und Öffentlichkeit für sich zu schaffen.

Doch wer bzw. was lässt das öffentliche Bild entstehen, das andere von Deutschland haben? Goethe und Schiller? Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß? Wirtschaft und Wohlstand? Oder vielleicht auch Fußball, Bier und Bratwurst? Wahrscheinlich von allem ein bisschen, denn all diese Dinge sind – ob gewollt oder nicht gewollt – Teile der Kultur Deutschlands, die zurzeit im Ausland auf großes Interesse stößt.

Kultur und Bildung in der Außenpolitik

Von offizieller Seite her ist es vor allen Dingen die Aufgabe des Auswärtigen Amtes, die politischen Beziehungen ins Ausland zu pflegen. Die deutsche Außenpolitik wird dabei neben den sicherheits- und  wirtschaftspolitischen Einflüssen von der Auswärtigen Kultur und Kulturund Bildungspolitik, der sogenannten „Dritten Säule der Außenpolitik“, geprägt. Ihre hauptsächliche Aufgabe ist die Repräsentation der deutschen Kultur im Ausland zugunsten der Förderung der Völkerverständigung und des interkulturellen Dialogs. Dies kann durch internationale Kooperationen und Projekte, den Austausch von Kunst und Kultur sowie die Netzwerkbildung im Bereich der Medien, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaften geschehen. Einen großen Teil nimmt natürlich auch die Chance des Erlernens der deutschen Sprache ein, die einem das Land näher bringt. In welcher Form auch immer: Entscheidend für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist, dass Menschen im Ausland Deutschland verstehen lernen können. Ein angenehmer Nebeneffekt für die Politik ist, dass die Kultur- und Bildungspolitik positive Voraussetzungen schaffen kann, um den Weg für die politischen oder wirtschaftspolitischen Vorhaben Deutschlands zu ebnen.

Werben für Deutschland? Historisch gesehen keine einfache Aufgabe…

Schon vor dem ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, einerseits auf kultureller Ebene das so genannte Auslandsdeutschtum zu unterstützen und andererseits die Förderung deutscher Interessen im Ausland voranzutreiben. In der Weimarer Republik versuchte Deutschland sein Ansehen in der Welt Stück für Stück wieder zu verbessern, ehe die Auswärtige Kulturpolitik durch die Nationalsozialisten im Dritten Reich zum Durchsetzen ihrer Politik und ihrer Propaganda ausgenutzt und missbraucht wurde. In den ersten Jahren der neu gegründeten Bundesrepublik war es daher die klare Zielsetzung, Kunst und Kultur, politische Bildung sowie Sprachkurse dafür zu nutzen, der Weltöffentlichkeit die positiven Seiten des neuen demokratischen Deutschlands aufzuzeigen, um zur Wiederaufnahme von internationalen Beziehungen zu gelangen und den Weg zu einem gemeinsamen Miteinander in Europa zu bereiten.

Viele Jahrzehnte später wird die Arbeit in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Teilen immer noch von der schrecklichenVergangenheit Deutschlands zwischen 1933 und 1945 überschattet. Dies führt dazu, dass die handelnden Akteure bis heute mit Bedacht jeden Schritt abzuwägen haben. Gerade diese Arbeitsanforderungen erfordern ein nicht gerade kleines Maß an  Politikmanagement und ein Gespür für Entscheidungen sowie für ihre möglichen Wahrnehmungen und Auswirkungen im Ausland.

Staatsferne und Nichtstaatlichkeit durch Mittlerorganisationen

Ein wichtiger Schritt war es, nach der Zeit des Dritten Reiches nicht mehr dem Auswärtigen Amt als alleinigem Akteur, sondern vielen Nichtregierungsorganisationen Aufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik zu übertragen. Diese sogenannten  Mittlerorganisationen sind Vereine und Stiftungen, die direkt oder indirekt im Namen Deutschlands handeln und ihre Aufgaben selbstständig wahrnehmen: Sie handeln im Sinne des Staates, befolgen den allgemeinen politischen Rahmen und werden von den Ministerien fi nanziell unterstützt, jedoch besteht während ihrer Arbeit keine Einmischung des Staates. Mittlerweile kann Deutschland europaweit die größte Distanz zwischen der Regierung und den Akteuren in der auswärtigen Kulturpolitik vorweisen und erfreut sich international einer positiven öffentlichen Meinung zu Mittlerorganisationen wie beispielsweise dem Goethe-Institut, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) oder dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), die sich im Ausland einen Namen gemacht haben.

Aktuelle Herausforderungen für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik

Die aktuelle Beliebtheit Deutschlands lässt die Vermutung zu, dass die Aufgabe der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik derzeit das Bewahren des bisher Erreichten ist. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Einerseits haben eine gelungene und nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit nach außen und ein gutes Ansehen in der Welt auch immer einen positiven Einfl uss auf das Selbstempfinden im eigenen Land – sei es in der Wirtschaft oder in der Gesellschaft. Andererseits sind die Auswirkungen des Konflikts mit Russland auf die Zivilgesellschaft der Ukraine, das durch die Eurokrise beschädigte Deutschlandbild in Griechenland und der bröckelnde innere Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union nur drei Beispiele, die aufzeigen, dass auch in den kommenden Jahren viele komplizierte Aufgaben auf die Akteure in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zukommen werden.